|
Landesverband |
![]() |
|
An die 40221 Düsseldorf
|
Graf-Adolf-Straße 100 Telefon
0211/90 69 50 e-mail dstg.nrw@t-online.de |
16. Juni 2003
Sehr
geehrte Frau Löhrmann,
seit
Oktober des vergangenen Jahres vergeht keine Woche und darf offensichtlich keine
Woche vergehen, ohne den Beamtinnen und Beamten über die Medien mitzuteilen,
dass Gehaltskürzungen und andere Eingriffe ins Familienbudget zur Rettung der
Republik erforderlich sind. Mal ist es die Bundesregierung, dann sind es
Bundesrat oder Landesregierung und auch Fraktionen oder Parteien, die in der
Presse für Überschriften sorgen, wie „NRW will Beamten 13. Pension kürzen“
oder „Beamte sollen zur Kasse gebeten werden.“ Schließlich weiß man in der
Politik, wie an Stammtischen und Biertheken Freude aufkommt, denn die Beamten
verursachen ja bekanntlich dramatische Personalkosten und sind somit für die
leergemachten öffentlichen Kassen verantwortlich. Wenn es nicht um Beamtinnen
und Beamte gehen würde, sondern um andere Berufsgruppen, wäre schon längst
der Vorwurf von Mobbing und zwar Mobbing in Vollendung erhoben worden.
In
die Schar der Lieferanten von Überschriften für die Medien hat sich jetzt
erneut die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen eingereiht. Grüne: Beamte
sollen 41 Stunden arbeiten lautet die frohe Botschaft für das Wählerpotential
an Stammtischen und Biertheken.
Die
Steuer-Gewerkschaft lehnt die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf
41 Stunden für Steuerbeamtinnen und Steuerbeamten kategorisch ab.
Die
Einführung der 41 Stunden-Woche vernichtet in den Finanzämtern
Nordrhein-Westfalen weitere 1.350 Arbeitsplätze. Die Arbeitslosenzahl in
Nordrhein-Westfalen erhöht sich entsprechend. Der Personalabbau in der
Steuerverwaltung erreicht mit dann 6.000 Stellen einen neuen Höchststand.
Die
Erhöhung der Wochenstunden auf 41 hat zur Folge, dass in den nächsten drei
bis vier Jahren in den Finanzämtern keine Beamtenanwärter mehr ausgebildet
werden. Das Ziel, allen Schulabgängern einen Ausbildungsplatz anzubieten,
rückt in weitere Ferne. Sollte es zu der diskutierten Ausbildungsplatzabgabe
kommen, kann sich der Finanzminister in die erste Reihe der Zahler begeben.
Steuerbeamtinnen
und Steuerbeamte leiden nicht unter Erinnerungslücken, sondern wissen auch
heute noch, dass die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 38,5
Stunden durch persönlichen Gehaltsverzicht finanziert wird. In 1989 und
1990 wurde aus arbeitsmarktpolitischen Gründen auf insgesamt 4,6 %
Gehaltserhöhung verzichtet, was sich bis zum heutigen Tage bei jeder
Gehaltszahlung auswirkt. Die Entlastung des Arbeitsmarktes durch Schaffung
von Arbeitsplätzen erfolgte nicht. In den Finanzämtern wurde nicht eine
einzige Einstellung vorgenommen. Der damalige Betrug wird bei einer jetzigen
Erhöhung der Wochenarbeitszeit potenziert.
Gerade
Steuerbeamtinnen und Steuerbeamte haben für das Vorhaben von Bündnis 90/Die Grünen
nicht das geringste Verständnis. Sie verkennen dabei keinesfalls die
Haushaltssituation des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie wissen sehr genau, dass
durch Ausschöpfen der bestehenden gesetzlichen Steuerquellen nicht nur der
Haushalt des Landes, sondern auch die Haushalte von Bund und Gemeinden spürbar
verbessert werden können. Der Personalabbau in den Finanzämtern sorgt aber
genau für das Gegenteil. So können zum Beispiel jetzt nur noch Euro-Einkommensmillionäre
steuerlich geprüft werden. Vor etwas weniger als zwei Jahren hat Ministerpräsident
Steinbrück als Finanzminister eine Pressemitteilung vorgelegt, in der es hieß:
329 Außenprüfungen bei Einkommensmillionären im Jahr 2000 ergaben Mehrsteuereinnahmen
von 100 Millionen DM. Damals war der Begriff Einkommensmillionär durch die
DM-Währung bestimmt. Der Personalabbau hat dazu geführt, dass bei der
Definition des Einkommensmillionärs schlicht eine Umrechnung von 1 : 1 erfolgt
ist und somit eine große Anzahl von Spitzenverdienern nicht mehr geprüft
werden..
Wenn
das Land weiter geschwächt werden soll und Beamte mit ihren Familien weiter
demoralisiert werden sollen, dann: Weiter so!
Mit
freundlichen Grüßen
Meinolf
Guntermann
Stellv. Vorsitzender